SERSIO: Spracherkennung und -steuerung im intelligenten Operationssaal
Teilprojekt Output Sprachsystem, Test Validierung Prototypen, UI Entwicklung Adaptierbarkeit, Klinische und finale Erprobung im Test-OP
Das Projekt SERSIO erforscht ein KI-gestĂŒtztes Spracherkennungs- und -steuerungssystem fĂŒr den Einsatz im Operationssaal. Heutige OP-SĂ€le sind hochgradig technisiert, doch die Interaktion des chirurgischen Teams mit MedizingerĂ€ten und Softwaresystemen erfordert nach wie vor SterilbrĂŒche, manuelles Eingreifen durch Assistenzpersonal und zeitintensive postoperative Dokumentation. SERSIO entwickelt eine domĂ€nenspezifische Spracherkennung, die als âKI-Teammitgliedâ im OP fungiert: Chirurginnen und Chirurgen steuern GerĂ€te per intuitivem Sprachbefehl, wĂ€hrend relevante Informationen automatisiert fĂŒr den OP-Bericht extrahiert werden. Das Forschungszentrum Computer Assisted Medicine (CaMed) der Hochschule Reutlingen verantwortet im Verbundprojekt insbesondere die Erforschung der sprachbasierten GerĂ€testeuerung ĂŒber interoperable Standards (IEEE 11073 SDC), die Prototypenvalidierung im Lehr- und Forschungs-OP, die Erforschung adaptierbarer Benutzerschnittstellen sowie die prĂ€-klinische Evaluierung des Gesamtsystems.
Forschungsfrage
Wie lĂ€sst sich ein kontextsensitives, KI-basiertes Sprachsystem realisieren, das (1) intraoperative Sprachbefehle zuverlĂ€ssig von Hintergrundkommunikation unterscheidet und in standardisierte Steuerkommandos (IEEE 11073 SDC) ĂŒbersetzt, (2) durch die Kopplung mit chirurgischen Prozessmodellen und medizinischen Ontologien eine klinische PlausibilitĂ€tsprĂŒfung der erkannten Befehle ermöglicht und (3) durch modulare Output-Schnittstellen und adaptive Interaktionsmuster herstellerunabhĂ€ngig auf unterschiedliche Eingriffe und Fachdisziplinen skalierbar ist?
Angestrebter Erkenntnisgewinn / Neuartigkeit und Ungewissheit der zu erwartenden Ergebnisse
Neuartig ist die Kombination fortschrittlicher KI-basierter Spracherkennung mit chirurgischer Prozessmodellierung und standardisierter MedizingerĂ€tevernetzung in einem integrierten System. Im Gegensatz zu bisherigen Einzellösungen, die Sprachsteuerung gerĂ€tespezifisch und proprietĂ€r implementieren, verfolgt SERSIO erstmals einen generischen Ansatz: Ăber den IEEE 11073 SDC-Standard wird eine einzige Sprachschnittstelle geschaffen, die sĂ€mtliche vernetzten GerĂ€te im OP-Saal herstellerunabhĂ€ngig ansteuern kann. Durch die Integration von Surgical Process Models (SPM) und SNOMED-CT-Terminologien entsteht eine semantische Sicherheitsebene, die erkannte Befehle im Kontext des aktuellen OP-Schrittes validiert. Ungewissheiten betreffen die Robustheit der Spracherkennung unter realen intraoperativen Bedingungen (HintergrundgerĂ€usche, domĂ€nenspezifischer Fachjargon, ĂŒberlappende GesprĂ€che), die EchtzeitfĂ€higkeit der Kontextinterpretation, die regulatorischen Anforderungen an sprachgesteuerte MedizingerĂ€teinteraktionen unterschiedlicher Risikoklassen sowie die Ăbertragbarkeit des am Beispiel der Cochlea-Implantation entwickelten Systems auf weitere chirurgische Fachdisziplinen
Forschungsmethodik
Das Projekt folgt einem iterativ-inkrementellen Forschungsansatz in drei aufeinander aufbauenden Zyklen: Inkrement I erforscht die grundlegenden FunktionalitĂ€ten der Spracherkennung, der Kontextinterpretation mittels chirurgischer Prozessmodelle und erster Output-Module zur GerĂ€testeuerung ĂŒber SDC-Schnittstellen. Inkrement II erweitert das System auf die vollstĂ€ndige Cochlea-Implantation und integriert die automatisierte OP-Bericht-Generierung sowie kontinuierlich verbesserte GerĂ€testeuerungsmodule. Inkrement III untersucht die Adaptierbarkeit des Systems an weitere Eingriffe und Fachdisziplinen durch ein generalisiertes Vorgehensmodell fĂŒr Output-Module und Prozessmodell-Anpassung. Jedes Inkrement wird im Lehr- und Forschungs-OP der HSRT unter realitĂ€tsnahen Bedingungen validiert, bevor das Gesamtsystem abschlieĂend in einer klinischen Vor-Studie an realen Cochlea-Implantationen am UniversitĂ€tsklinikum DĂŒsseldorf erprobt wird. Die Forschungsgruppe CaMed ĂŒbernimmt dabei die Leitung der Arbeitspakete zur GerĂ€testeuerung, zur Test- und Prototypenvalidierung, zur UI-Entwicklung sowie zur Systemintegration und prĂ€-klinischen Erprobung.
Dokumentation und Verbreitung der Ergebnisse
Die Forschungsergebnisse werden durch wissenschaftliche Publikationen in einschlĂ€gigen Fachzeitschriften und KonferenzbeitrĂ€gen (u.âa. CURAC, CARS, IPCAI) dokumentiert und der Fachgemeinschaft zugĂ€nglich gemacht. Die technische Systemarchitektur, Schnittstellenspezifikationen und AdaptionsleitfĂ€den werden in einer umfassenden technischen Dokumentation aufbereitet, die als Grundlage fĂŒr spĂ€tere Zulassungsprozesse und den Transfer in weitere klinische Anwendungsszenarien dient. Durch die konsequente Nutzung offener Standards (IEEE 11073 SDC, SNOMED CT, SPM-Ontologien) und die modulare Systemarchitektur werden Impulse in einschlĂ€gige Standardisierungsgremien eingebracht. Die Ergebnisse der klinischen Evaluation werden als Best-Practice-Empfehlungen fĂŒr die Integration von Sprachsteuerungssystemen in den OP-Betrieb veröffentlicht. Zielgruppen sind neben der wissenschaftlichen Fachgemeinschaft insbesondere klinische Anwender:innen, Medizintechnikhersteller, Klinik-IT-Abteilungen sowie das Standardisierungsumfeld der IEEE 11073 SDC-Community.
Laufzeit
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Informatik, insbesondere Medizinische Informatik




